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Bötzinger Energiegespräche - Rückblick

Großes Interesse zeigten die Bötzinger Einwohner, aber auch Gäste aus dem Umland, an den Bötzinger Energiegesprächen 2020 im Bürgersaal des Rathauses.

Bürgermeister Dieter Schneckenburger begrüßte die rund 50 Zuhörer mit dem Hinweis, dass es in Bötzingen schon langjährige Tradition ist die Bürger über aktuelle Themen des Klimaschutzes zu informieren. Der Energieberater Rudolf Schiller von der EnBW Stuttgart referiert seit 2012 alle zwei Jahre in Bötzingen über aktuelle Gesetzesänderungen im Bereich des Klimaschutzes.
 
Die Bundesregierung hat sich im Klimaschutzprogramm 2030 das Ziel gesetzt bis zum Jahr 2030 55 % weniger CO2 auszustoßen als im Jahr 1990. Bis zum Jahr 2050 soll Treibgasneutralität erreicht werden. Die Erreichung dieses Zieles soll jährlich überprüft werden. Ab dem Jahr 2021 wird eine CO2 Bepreisung für Endverbraucher mit 25 €/t eingeführt. Bei der Verbrennung von 300 l Heizöl entsteht 1 Tonne CO2. Ein Einfamilienhaus mit 160 m² Wohnfläche und einen Verbrauch von 29.000 kWh Gas produziert 6 t CO2. Jeder Mensch emitiert durch seine Atmung 0,25 t CO2/Jahr. Dem gegenüber kann ein km² Wald 1000 t CO2 binden.
 
Ab dem Jahr 2020 ändert sich auch die steuerliche Absetzbarkeit von energetischen Sanierungen. Wer seit dem 1. Januar 2020 seine Heizungsanlage erneuert, Fenster austauscht, die Gebäudehülle dämmt oder eine Lüftungsanlage einbaut, darf 20 % von max. 200.000 € Kosten verteilt über einen Zeitraum von drei Jahren von der Steuer abziehen.
Ab dem Jahr 2026 wird der Einbau von Ölheizungen verboten, wenn eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist. Eine Kombination von Heizöl mit erneuerbaren Energien, z.B. thermische Solaranlage, ist weiter möglich.
 
Im neuen Gebäudeenergiegesetz werden die bisherigen Gesetze EnEG, EnEV, EEWärmeG zusammengefasst. Mit diesem Gesetz werden Mindestanforderungen an die Gebäudehülle und an die Anlagen zur Heizung und Trinkwassererwärmung gestellt. Neubauten müssen dem energetischen Niveau eines KfW 40 – Haus entsprechen. Das Gebäude darf pro m² Nutzfläche den Energiebedarf von 45 – 60 kWh nicht überschreiten.
Strom, der z.B. durch eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach produziert wird, reduziert den Energieverbrauch des Gebäudes. Voraussetzung für diese Anrechnung ist, dass der produzierte Strom vorrangig im Gebäude verbraucht und nur der Rest in das öffentliche Netz eingespeist wird. Bei einer Fotovoltaik-Anlage ohne Speicher wird ein Bonus von 150 kWh/kWp installierter Leistung und bei einer Anlage mit Speicher ein Bonus von 200 kWh/kWp installierter Leistung gewährt. Der Speicher muss eine Kapazität von mindestens 1 kWh pro kWp installierter Leistung haben.
 
Heizkessel, die vor dem 1.1.1991 eingebaut wurden, dürfen nicht mehr betrieben werden. Heizkessel, die danach eingebaut wurden, dürfen nach Ablauf einer Betriebsdauer von 30 Jahren nicht mehr betrieben werden. Ausgenommen hiervon werden Niedertemperatur- und Brennwertkessel und Ein- und Zweifamilienhäuser, die am 1. Februar 2002 vom Eigentümer selbst bewohnt waren. Nach einem Eigentümerwechsel muss der alte Heizkessel innerhalb von zwei Jahren ausgetauscht werden.
 
Zum Thema Elektromobilität erklärte Herr Schiller den Unterschied zwischen einem Elektrofahrzeug, einem Plug in Hybrid- oder parallelem Hybridfahrzeug mit zwei Antriebsmöglichkeiten und einem Range Extender bzw. seriellem Hybridfahrzeug, das nur über einen elektrischen Antrieb verfügt, jedoch mit einem kleinen Verbrennungsmotor und Generator die Batterie während der Fahrt nachladen kann und dadurch eine größere Reichweite hat.
Daneben gibt es auch unterschiedliche Ladetechnologien. Bei der AC-Ladung befindet sich der Gleichrichter, der den Wechselstrom zum Gleichstrom umwandelt, im Fahrzeug. Bei der DC-Ladung befindet sich der Gleichrichter in der Ladestation (Wall-Box). Mit einem 1-phasigen Schukostecker beträgt die Ladezeit 10 Stunden, mit einem Typ 2 Stecker bis 2,2 kW beträgt die Ladezeit ca. 5 Stunden, mit einem Typ 2 Stecker mit max. 22 kW ca. 1 Stunde. Die DC-Schnellladestation hat max. 50 – 150 kW und kann die Batterie in 20 Minuten laden. Aktuell gibt es schon 22.000 öffentliche Ladestationen in Deutschland (30.000 in Deutschland, Österreich und der Schweiz).

Mit der EnBW mobility App können Fahrer von Elektrofahrzeugen ihre Strecke planen, freie Ladestationen finden und auch gleich die Aufladung bezahlen. Eine Aufladung unterwegs kostet bei einer AC-Ladung 29 Cent pro kWh und bei einer DC-Ladung 39 Cent pro kWh. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie auch im Internet unter: www.EnBW.com.

Herr Schiller empfahl das Elektroauto zuhause in der Garage nicht an einer normalen Steckdose zu laden, weil diese aufgrund der Dauerlast heiß wird. Stattdessen sollte eine Wall-Box in der Garage oder am Stellplatz installiert werden. Für die Installation einer Ladeinfrastruktur@Home gibt es folgende Voraussetzungen:

-Der Hausanschluss muss die Ladeleistung übertragen können. Die muss über den
  Netzbetreiber geklärt werden.
-Der Zählerplatz muss erweiterbar sein. Es ist jedoch kein separater Zähler erforderlich.
-Der Zählerplatz muss für zusätzliche thermische Belastung geeignet sein.
-Der Verteiler muss mit zusätzlichen Sicherungen, evtl. einem FI-Schalter erweiterbar sein,
  falls dieser nicht in der Wall-Box integriert ist.
-Die Leitung zur Wall-Box soll mit einem Durchmesser von 5 x 6 mm² oder besser 5 x 10 mm²
  ausgeführt werden.
 

In Zukunft wird der Elektroinstallateur als Ansprechpartner sowohl beim Thema Gebäudesanierung wie auch beim Thema Elektromobilität an Bedeutung zunehmen.